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archiv: April 2009


dinge in die reihe bringen

17. April 2009 - 23:10

der mann hat einen sonnenhut auf und eine kurze hose an. er hat einen grauen bart und schiebt einen einkaufskorb vor sich her, in die hinein er die leeren pfandflaschen sammelt. außerdem rückt er vor jeder wirtschaft, vor den imbissen und kneipen am boxhagener platz, die stühle zurecht. ordentlich schiebt sie akurat in eine reihe. so, wie ich es auch mache, manchmal, wenn mich niemand dabei beobachtet. beim kiesertraining zum beispiel, wo ich jedesmal die zwei, drei spindtüren zuschiebe, die aus der reihe tanzen und offen stehen. immer dann, wenn gerade sonst niemand in der umkleide ist.

an den füßen hat der mann lose schlappen, gummilatschen, wie für die sauna. oder für die dusche nach dem kiesern. die füße sind schwarz, vor dreck vielleicht. doch an dem einen bein trägt der mann außerdem einen improvisierten verband, der die große offene stelle nur notdürftig abdeckt. dreck ist es also möglicherweise doch nicht an seinen füßen. es sind wohl die füße selbst.

eine halbe stunde später wandert der mann ein paar straßen weiter immer noch mit seinem inzwischen halbvollen wagen durch die straßen. hier und da wird er begrüßt und mit einigen leeren flaschen bedacht. überall rückt er die stühle oder bänke zurecht. die papierkörbe auch, die er darüber hinaus noch nach brauchbaren flaschen durchsucht. manchmal schiebt er sogar die kneipenaufsteller mit den tagesangeboten in die reihe, um sie dann erst mit seinem wagen zu passieren.

ich verstehe das gut.

wienrecherche (9)

16. April 2009 - 21:31

gestern einen stapel bücher bestellt, alle über wien. eines davon offensichtlich gleich doppelt, wie ich eben an der abbuchung gemerkt habe. manchmal macht mich das internet offensichtlich blöd, nach all den jahren noch.

derek jarman’s garden

15. April 2009 - 20:27

ich glaube, da möchte ich gerne hin, falls ich jemals noch einmal nach england kommen sollte. holz, steine und rost, dazwischen irgendwie grün, hell aber kräftig, und kleine bunte blumen. im hintergrund das atomkraftwerk.

so seltsam es ist, es ist wunderbar. und vielleicht einer der schönsten orte der welt. das denke ich zumindest manchmal.

frühjahrssputz

15. April 2009 - 16:58

neulich hat die geliebte gemeint, ich solle doch mal mein bad renovieren. ich hab mir das dann genauer angesehen und gefunden, daß es schon irgendwie stimmt: putzen reicht da wohl nicht mehr. ist ja nun auch schon über vier jahre in betrieb, das bad. hab ich also mal farbe gekauft, heute. und klebeband und abdeckfolie und ein neues regal und die passenden schrauben dazu und ein paar Handtuchhaken und so weiter.

daß ich auch niemals einfach nur so renovieren kann. immer will ich auch gleich umräumen und umbauen und neu gestalten. wenn ich doch sowieso alles durcheinanderwirbel.

glücklich sein

13. April 2009 - 13:07

„Die Sinnlosigkeit des eigenen Tuns kann quälen.”

Jakob Hein über das Schreiben in Literaturen 04/09, Der Mythos von Sisyphos

das fräulein (13)

12. April 2009 - 23:05

seit wochen nichts dafür getan, geschrieben schon gar nicht. zwischendurch hatte ich schon fast das gefühl, alles verloren zu haben. ich kann nicht sagen, daß mir das gefällt. ich kann aber auch nicht sagen, warum ich nicht einfach loslege.

eine art lyrik

12. April 2009 - 20:25

ich sage es immer wieder und gänzlich ohne scham: ich mag die werbetexterei. dieses feinfeilen, millimetergenau. das abwägen und gewichten des ungesagten. das schaffen von leerstellen, luftlöchern – weite und raum in 30 sekunden text. das vor allem.

alter champagner

11. April 2009 - 22:26

u1, warschauer straße, vormittags kurz vor 11. drei kerle kommen hereingetorkelt und setzen sich, wie um mich herum. ohne absicht, keine frage. das sehe ich auf den ersten blick. torkeln ist auch zuviel gesagt. sie schwanken und wanken nur, lassen sich in die sitzbänke fallen, tief. vor mir zwei, dicht nebeneinander, rechts von mir der eine mit der flasche in der hand.

unrasiert sind die männer, graue stoppeln, am kinn wie auf dem kopf. um die augen und am hals haben sie falten, die männer, auch an den händen. das alter macht sie langsam, im suff, nicht mehr flink und laut, immer vor der zeit bereit. das war früher einmal.

der eine typ fällt auf den anderen, als die bahn losfährt. er lacht, leise und langsam, dann richtet er sich wieder auf. vorsichtshalber hält er sich an der stange fest, im sitzen, und läßt sie nicht mehr los, solange ich dort sitze. der neben mir kickt das glas um, das er zuvor umständlich auf dem boden plaziert hatte. ebenso umständlich spielte er eine weile mit dem rotblühenden stück ast, das er irgendwo aufgelesen haben mußte. vielleicht auch abgerissen. da kann so ein ungeschickter tritt schon mal geschehen, so frühlingsversunken. der inhalt des glases läuft mir flink unter den füßen durch.

wieder wird gelacht. der mann neben mir sammelt, umständlich, das eis von u-bahnboden und wirf es in sein glas zurück. dann werden alle gläser noch einmal gefüllt bis zum rand. martini. es sind sektgläser.

sexismus im alltag (1)

11. April 2009 - 16:12

an der supermarktkasse ist eine art zigarettenautomat angebracht. man kann sich die packungen also nicht einfach so nehmen und aufs band legen, man muß die gewünschte marke per knopfdruck auswählen, damit der automat anschließend das richtige päckchen auspuckt. oder auch nicht, vermutlich wenn die richtige sorte nicht mehr in der kiste drin ist. dann leuchtet eine vorgefertigte schrift auf: Kassiererin fragen, steht da.

das sagt ja so einiges. noch dazu sitzen heute an beiden kassen männer.

bestseller

09. April 2009 - 23:37

nein, ich habe nichts gegen unterhaltung. ganz im gegenteil. (inspiriert von arte.) ich habe allerdings etwas gegen dumme texte, das stmmt. aber das hat ja damit nichts zu tun.

verweis ins hsb

09. April 2009 - 17:57

Trendstadt Berlin – eine kleine einlassung über techno, ausgerechnet von mir. außerdem noch kurz über ein suhrkampbuch. und wie das dann zusammenpaßt. eigentlich ganz einfach.

trotz allem. punk!

08. April 2009 - 23:58

nord-neukölln im angebot?

08. April 2009 - 11:55

(nord-neukölln sagt man nicht, ich weiß. gemeint ist natürlich neukölln, der ortsteil, nicht der bezirk. aber das versteht doch dann keiner.)

in letzter zeit schlendern immer wieder kleine gruppen von menschen durch den kiez, von denen mindestens einer ein klemmbrett in der hand hält und sich ab und zu notizen macht. dabei betrachten diese menschen interessiert die gebäude, manchmal auch einzelne bäume und sogar bordsteinkanten. so scheint es mir zumindest. anschließend tauschen sie sich angeregt aus.

was soll das? handelt es sich um eine dauerbegehung des ordnungsamts, die einführungsrunden für neue mitarbeiter vielleicht? oder wird das gebiet neu kartografiert, inklusive baumbestand und hundekotaufkommen vielleicht? was geht da vor? soll neukölln am ende verschachtert werden, solange der boom noch hält? gibt es schon finanzkräftige investoren? (vielleicht aus der türkei? ;-)