void
19. Januar 2010 - 22:49alle reden von wünschen und zielen, von einem erfüllten leben. nur ich, so kommt es mir vor, suche nach leere und weite. die leere, wo letztendlich alles lebt.
alle reden von wünschen und zielen, von einem erfüllten leben. nur ich, so kommt es mir vor, suche nach leere und weite. die leere, wo letztendlich alles lebt.
The Uncommon Reader / Die souveräne Leserin, Alan Bennett / Ingo Herzke
Eines Tages entdeckt Elisabeth II. an einer abgelegenen Ecke des Palastes den Bücherbus der Bezirksbibliothek. Wir haben einen Bücherbus, informiert sie daraufhin ihren Gatten. (Der bei den Briten durchaus zutreffend den Ruf eines groben, deutschen Klotzes genießt.) Es gibt noch Wunder, lautet seine belanglose Antwort. Und genau so kommt es dann auch.
manchmal ist es ja seltsam, was man im netz so alles findet. ich hätte zum beispiel nie gedacht, daß es auch anderen so geht. und daß es menschen gibt, die darüber hinaus sich trauen, das auch auszusprechen: Die Anwesenheit und der Kontakt mit anderen Menschen, löst mich von mir ab.
der koch mal wieder. bei dem schreckt ja inzwischen schon sein allerweltsname ab.
working a lot these days, reading and writing. organizing the inner world. while in fact i’m still in hibernation. (deshalb wohl in englisch.) island of sleep, night ride – right? – wild and free.
gegenüber wird fleißig gearbeitet. zwischendurch finden offensichtlich wohnungbesichtigungen statt. da stehen dann einzelpersonen oder auch junge pärchen auf dem balkon und verplanen provisorisch den raum. neukölln begeistert in letzter zeit, das ist mir klar. es sieht also ganz so aus, als hätte ich im sommer wieder ein direktes balkongegenüber. daß aber zwischen den besichtigungen nach wie vor handwerker auf den balkon treten und in die ecke strullen, irritiert mich dann schon ein wenig.
als ich dreizehn oder vielleicht fünfzehn war und mein erstes kleines eigenes bücherregal zusammengestellt hatte – taschenbücher vor allem, viele gedichte und kurzgeschichten, noch kaum romane – nickte mein vater irgendwann ein wenig traurig mit dem kopf und erklärte mir, daß sich das legen würde mit der zeit. daß sie aufhören wurde, diese lesewut. genau wie die lust an musik, die sich ebenfalls in form von langspielplatten heftig bei mir breitmachte. so sei das im leben. meinte mein vater.
so war es wohl auch, in seinem leben. er fand nicht die zeit für diese dinge, nicht mehr. doch das verstand ich damals noch nicht. statt dessen schüttelte ich heftig mit dem kopf.
zum glück habe ich recht behalten. wenn ich mich recht erinnere besaß ich damals etwa siebzehn bücher. heute bin ich nicht mehr gewillt und sicher auch kaum in der lage, meine absurd zusammengewürfelte bibliothek durchzuzählen. ich könnte in metern messen, aber wozu?
statt dessen gibt es jetzt das blog COMMON READER, in dem leser über ihre leidenschaft schreiben. darunter auch ich. (kommt noch, versprochen. einstweilen habe ich ein wenig am erscheinungsbild gedreht.)
ich schlafe nicht, ich lese. so wie früher.
direkt gegenüber von meinem wohnbüro wird seit ein paar wochen die seit langem leerstehende wohnung renoviert. zwischenzeitlich hatten schon tauben darin gehaust. bis endlich jemand vorbeikam und das offene fenster schloß. anschließend sind die viecher dann auf den anliegenden balkon gezogen, der ebenfalls direkt gegenüber meinem liegt. dort sind sie in den letzten jahren auch konsequent geblieben. jetzt ist da drüben sicherlich einiges zu tun, könnte ich mir vorstellen.
warum allerdings die herren renovierer regelmäßig auf den balkon treten um dort auszutreten? hose auf, abstrullen, abschlackern und reißverschluß wieder hoch. zack! das ist mir irgendwie ein rätsel. alles täuberiche?
generell ist es so, daß ich einen winzigen hauch von entspannter konversation jeder noch so aktuellen oder gar spannenden diskussion vorziehe. sollte ich mir vielleicht endlich einmal merken. und mich auch daran halten.
spät aufgestanden, dann aber gleich einen der letzten punkte der ferienliste angegangnen und endlich den neuen herd mit silikon an die vorhandene küchenzeile geklebt. die anschließend natürlich noch gut gefüllte kartusche gleich weiterbenutzt und sämtliche fenster abgedichtet, zumindest schon mal die unteren fugen. nach dem überraschenden schimmelfund vom letzten tag des letzten jahres war da plötzlich dringender bedarf deutlich erkennbar. der rest folgt dann im frühjahr oder sommer, jedes einzelne fenster, rundherum. noch eine, vielleicht auch zwei kartuschen. an manchen stellen wird sogar der dreck von draußen reingedrückt, mußte ich feststellen. natürlich immer die, die sich auch ganz besonders nach hechtsuppe anfühlen.
zum schluß noch schnell mit essigessenz pur den bereits vorhandenen schimmel angegangen. nicht sehr atemfreundlich das zeug, das muß ich schon sagen. mußte sogar das kleine kammerfenster öffenen, bei den temperaturen, und es für ein paar stunden offenlassen. nachbehandlung erfolgt aber bestimmt. und dann mal im frühjahr sehen, ob es zusätzlich noch richtige chemie braucht. und außerdem natürlich eine kartusche silikon zur fensterabdichtung. da bröckelt und bröselt noch alter mörtel.
tja, neuköllner bausanierung. (in einer wohnung unter mir soll vor kurzem eine kleine mäusekolonie ein- und ausgegangen sein. auch nicht schön.)
was ich eigentlich meine ist, daß es derzeit wieder einmal viele türen gibt, die sinnlos ins leere fühlen. ins längst schon abgeschlossene und damit in die wiederholung. viele möglichkeiten, die meisten davon wenig wichtig in meinem alter. falsch oder zumindest unpassend. dennoch geht es darum, die räume zu öffnen. immer. das ist seit jeher meine aufgabe. um den einen raum, den neuen, den weiterführenden nicht versehentlich ebenfalls zu verschließen.
das mag schmerzen, ja. aber wie hoch wäre der preis, bliebe der bislang unbekannte raum für immer unbetreten?