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archiv: alle tage


scharfe sache

24. Mai 2013 - 15:08

scharfe sachen

neulich hat der postbote mal nicht nur all die schönen pakete für die nachbarn bei mir abgelegt, sondern ausnahmsweise auch etwas für mich geliefert. eigentlich wollte ich ja nur das obere, das kleine, aber einzeln war das schicke werkzeug nicht zu haben. jedenfalls nicht zum lockenden supersonderpreis. anschließend saß ich dann hier und befand insbesondere das untere gerät für höchst beängstigend. eine mordswaffe, eindeutig.

gestern habe ich ganz vorsichtig angefangen, damit zu üben. also mit dem kleinsten natürlich, dem oberen. rasiermesserscharf ist es, das habe ich zunächst einmal an papier getestet. ging. ganz einfach. anschließend dann an meiner haut, die es ohne großen aufwand und völlig schmerzlos in seine hauchfeinen schichten zu zerlegen vermag. spannend.

23. Mai 2013 - 03:35

wie ich es auch drehe oder wende. ich sehe keine lösung.

das ich ist ein subjekt

16. Mai 2013 - 14:15

das mit der objektivität ist so eine sache. jeden tag sehe ich mich im spiegel, ganz so, wie ich nun mal bin. denke ich. trotzdem bin ich tief innen der festen überzeugung, ich sei tatsächlich dunkelhaarig. immer noch.

a touch of blue

13. Mai 2013 - 00:45

green & blue

warum ich männertreu so liebe.

erschöpfung

12. Mai 2013 - 01:03

irgendwann am abend lege ich mein gesicht auf die bretter, ein paar sekunden nur. sofort bewegen sich welten. bis der kaffee kommt und mich wieder weckt. das dunkel unter dem tisch hebt und senkt sich in mir, der boden verliert an gewicht. oder ist es nur das boot, das auf dem wasser liegt und das fest ans ufer gebunden leise schwankt und dümpelt. und mich wiegt.

egal. die intensität der begegnung ist es wert.

tomaten 2013

09. Mai 2013 - 12:09

das zarte tomatengrün hat sich in drei tagen faktischer re:publica-abwesenheit zuzüglich migränebedingter blindheit in fette kleine bäumchen verwandelt. ganz von selbst. so ist das, wenn man im dreck wächst.

re:publica now

03. Mai 2013 - 14:33

erste kleine vorfreue auf den affenfelsen, soeben bei mir eingetroffen.

love plant

02. Mai 2013 - 01:25

love plant

still alive. waking up.

01. Mai 2013 - 18:22

aus dem wohnbürofenster hinunter auf die straße sehen und einen augenblick, den bruchteil einer sekunde nur, überrascht sein und erfreut über die plötzliche verbesserung der seit jeher desolaten sehfähigkeit. mich dann, ebenso plötzlich sowie ernüchternd, daran erinnern, daß es knapp eine stunde her ist, daß ich eben dieses fenster geputzt habe.

das ist so bedauerlich wie amüsant.

01. Mai 2013 - 00:01

heute an der stelle vorbeigefahren, zirka 500 meter von hier, wo das kind weggeworfen wurde. zufällig, versehentlich, eine alltägliche strecke. vom motorrad aus aus den augenwinkeln zunächst nur die blumen und kerzen gesehen. erst unfall gedacht, dann plötzlich verstanden. ein altkleidercontainer, grün.

sehr erschrocken.

tangopein

23. April 2013 - 00:24

das mit dem tango ist so eine sache. die brustwirbelsäule zeigt sich erheblich überrascht von den ersten vorsichtigen ochos, nach kurzer zeit dann schmerzhaft überfordert. ganz abgesehen davon, daß stabilität im sinne von balance eine kniffelige sache ist, insbesondere zu zweit ausgeführt.

noch schlimmer ist nur die sich stetig steigernde schlagzahl von partner – und rollenwechseln. nicht, daß ich nicht folgen und führen lernen möchte, nein. gerne auch im wechsel. aber bitte nicht nach gefühlten 2 minuten gemeinsamen tanzens. danke.

zusammen genommen hat mich der unterricht heute grundlegend erschöpft. nach einer stunde war ich urplötzlich am ende meiner kräfte, hätte auf der stelle gehen mögen. konnte mich vor allem auf keine neue „begegnung“ mehr einlassen, nichts mehr sehen, kaum noch hören oder verstehen. langsam fängt das ganze an, mir peinlich zu werden. beinah wie damals bei den bandproben, wo ich vor anstrengung und lärm tatsächlich mitunter flüchten mußte.

fazit: neues scheitern in aussicht. schade.

sunday

21. April 2013 - 23:44

viel herumgeräumt und an den blogs gebastelt heute. geschrieben auch, ein paar stunden. und ganz zu anfang des tages fast eine stunde meditiert. (wie schnell manchmal die zeit vergeht.) aber nichts wirklich gearbeitet heute, alles anstehende auf morgen verschoben.

darf ich das so? sagen und leben.

lebensmuster

21. April 2013 - 16:16

nicht weit von hier, ein paar straßenecken weiter nur, wurde vor kurzem ein kind weggeworfen. in einem altkleidercontainer ist es gelandet und dort gestorben. vielleicht war es auch schon tot, ich weiß es nicht genau. ich mag das nicht nachsehen in diesem internet, in dem diese information ohne zweifel zu finden sein wird. ich will es gar nicht wissen. besser nicht.

gehe ich dieser tage vor die tür, zur u-bahn, zum einkaufen, zum luftholen, werde ich ständig daran erinnert. an hauswänden und in ladenfenstern sehe ich die polizeiplakate, überall, die um mithilfe der bevölkerung bitte. diese vielen menschen in neukölln. wer kann helfen? wer hat etwas beobachtet, was ist passiert. als wäre etwas besonderes daran, wenn jemand ein bündel in einen container wirft. dazu gibt es nichts zu sagen, auch nicht mitten in der nacht. so ist das hier, alles ganz normal. ich gehe daran vorbei, ich habe nichts gesehen und nichts zu sagen.

so ist das. die kindergeschichten, die tödlich enden, bleiben am leben, werden besprochen und beschrieben. sie werden auf plakate gedruckt und kommen in die zeitungen. sie legen sich in schleifen um die kehlen. an die vor ein paar jahren entdeckten, in blumenkästen vergrabenen neugeborenen wird man sich erinnern, an die zerschlagenen und verhungerten kleinen toten, für die es zu spät ist. die bleiben haften im allgemeinen schreckensgedächtnis.

wie kann man nur, fragt die moral. wie ist das möglich? wie geht das?

ein kind wegzuwerfen ist unter umständen vermutlich nicht besonders schwer, ob es nun tot ist oder noch lebt. man muß ja nicht hinsehen, man muß es nicht merken, nicht spüren. in einer welt, in der gewalt ohnehin ein gängiges lebensmuster ist, das sich insbesondere in notlagen als überaus hilfreich erweist. so ehrlich sollte man sein, bei aller moral. und in einem moment, in dem es einfach nur einen ausweg braucht, ein schnelles ende. damit bald wieder alles so ist, wie es immer ist, alles ganz normal. der schrecken kommt später, das bewußtsein. wenn es wieder funktioniert. wenn es überhaupt funktioniert. vielleicht, vielleicht auch nicht. vielleicht kommt auch einfach nur die polizei.

ich bin nicht zynisch, nein. weder das noch moralisch. ich weiß einfach nur, wie der weg bereitet wird. ich weiß es an leib und seele, jahre und jahrzehnte hatte ich zeit, mir darüber klarheit zu verschaffen. über mich und über die anderen beteiligten. und über das schweigen, das so gern über alles ausgebreitet wird, das nicht tödlich endet.

wie viele betroffene sollen noch feststellen, egal ob öffentlich oder privat, daß langfristig betrachtet schläge bei weitem nicht das schlimmste sind. haut heilt schnell und hämatome verschwinden von allein. ich selbst verschwende seit jahrezehnten kaum noch einen gedanken daran. das hat sich erledigt, beinah wie von selbst, in einer nacht, mit einem traum. es sind die worte, die verachtung darin und die nichtkörperliche vernichtung, die nachhaltig wirkt, wie nichts sonst. das ist es, aus dem es lange keine rettung zu geben scheint, weil es im nachhinein allzu leicht mit jedem x-beliebigen aber verknüpft werden kann. aber die erwachsenen hatten es doch auch nicht leicht, damals. aber du warst auch ein so eigenartig bockiges kind, damals. aber das war doch alles gar nicht so gemeint, damals. aber das mußt du doch verstehen, heute.

ja, ich weiß. ich bin selber schuld, sowieso. so einfach ist das. (nicht.) dieses aber und das schweigen, das damit kreiert wird, macht wütend mitunter, unendlich wütend.

dennoch, ich lehne das verstehen nicht ab. wie könnte ich, ich bin ein geborener denker. nur so habe ich überlebt. immerzu denkend und begreifend habe ich meinen verstand beieinander gehalten und alles sehen, hören, speichern können, was ich wissen mußte. auch das radikale wechseln der position ist von entscheidender bedeutung. irgendwann, wenn man sich selbst dazu entscheidet. andere verstehen zu können, sei ihr verhalten auch noch so absurd, verletzend und vernichtend, ist eine unglaubliche erfahrung. den gegner verstehen zu lernen, den langjährigen freßfeind, kann eine offenbarung sein. letztendlich zerbricht es die vorstellung von schuld.

vieles, vermutlich das meiste, verstehe ich immer noch viel zu wenig. emotional bin und bleibe ich minderbemittelt, das wird sich womöglich nicht mehr reparieren lassen. doch es ist (mir) möglich, mit diesem menschen zu fühlen, dem es seinerseits möglich war, ein bündel kind in einem container zu entsorgen. so groß die sorgen und die not. kaltblütigkeit existiert so gut wie nie, auch das habe ich verstanden. verstehen macht dieser tage, daß ich mit schrecken durch die straßen gehe, von plakat zu plakat. weil ich von einem sinnlos toten kind weiß, nicht weit von mir, für das es zu spät ist.

verstehen will ertragen sein. verstehen, ohne verschleiernde moral und schützenden zynismus, kann sich äußerst schmerzhaft gestalten.

p. s. auch mit mir selbst bin ich heute (meistens) nicht mehr zynisch. nein, ich möchte nicht tauschen mit dem kind im kleidercontainer. ich behaupte nicht (mehr), daß es besser wäre, das leben möglichst schnell hinter sich zu bringen. ganz egal, auf welche widerliche art und weise. nichts in mir muß noch herumwüten, daß ich das alles schließlich nicht gewollt hätte. nicht diesen körper, nicht diese stimme, kein herz, keinen verstand und keinen atem. viel zu sehr mag ich die sonne, die wärme,  das licht. die dinge und die musik, die versteckten strukturen in allem. ich liebe die schwingungen und muster in den dingen dieser welt, wie sie wachsen, in allem. wie sie werden, die form wechseln, immer wieder, um letztendlich wunderbar zu verderben.