himmel über berlin
13. September 2011 - 13:44
so ist berlin im spätsommer, fast ein bißchen frühlingshaft. ganzjährig hier beheimatet ist dagegen der killerschmetterling.

so ist berlin im spätsommer, fast ein bißchen frühlingshaft. ganzjährig hier beheimatet ist dagegen der killerschmetterling.

nein, war nur ein versteckspiel mit kindern. ;)

eines ans andere gekettet. und beide mir, versteht sich.
heute vor 50 jahren wurde die berliner mauer errichtet. das heißt, so schnell ging das natürlich nicht. zunächst einmal war da überall stacheldraht. diese filigranen gebilde in rollenform sind heute den ganzen abend schon im fernsehen zu bewundern. dannach erst wurde stein auf stein geschichtet und später dann betonplatte neben betonplatte gestellt. mit stacheldraht darauf, in rollen oder linien. das muß sein.
was für eine genial einfache erfindung stacheldraht doch ist. das geht mir gerade erst so richtig auf. vermutlich recht billig und leicht, aus einem einzigen material herzustellen. und dabei so effektiv in der verschränkung der wege, des luft- und lebensraumes, in der blutigen vernichtung der freiheit.
stacheldraht ist unverzichtbar in der welt.

gegenüber werden beats gemixt. wohl zum vorglühen, bevor es in die clubs geht.
(ausführlicher im HSB)

es gibt viele schöne sachen in berlin, ganz kleine sachen mitunter, die auf anhieb gar nicht so einfach entdecken sind. die auf den straßenschildern turnenden korkfiguren zum beispiel, bei denen es sich um yogis handeln soll. um street-yogis.
sehr nette gegend ist das hier. gestern, kurz nach mitternacht, fingen schräg gegenüber plötzlich ein paar jungs an, ihre autos zu waschen. und zwar mit dem handlichen druckstrahlreiniger, mit dem sonst der gehweg vor dem eckladen gestaubputzt wird. motorgetrieben natürlich und säuselig brummend laut. zum sonntäglichen frühschoppen dann, heute morgen, gleich gegenüber von meinem schlafzimmer, gehörte neben flaschenbier auch eine flinke line, vom versifften stromkasten direkt ins hirn geschossen. was genau das war? keine ahnung, vielleicht salz?


draußen schreien sich zwei türkische männer an. kinderschänder, brüllt der eine immer wieder. (ein realer bezug ist nicht zu vermuten, eher eine üble beleidigung, provokation.) während der andere bierkästen in sein auto läd und dabei irgendetwas zurückschreit. nur bei dem wort kinderschänder will er jedesmal auf den anderen los. doch eine schmale frau steht dazwischen und hält die beiden auseinander. besonders den ihr zugehörigen, der einfach nicht von den beschimpfungen lassen kann, schiebt sie immer wieder zurück.
daneben zwei kleine jungs, heulen vor angst.

und ein bißchen lärm schlagen.

es ist gerade vier uhr nachmittags. der typ ist derart besoffen, daß er kaum noch gehen kann. stehen auch nicht, deshalb lehnt er sich mit dem gesicht an das nächste auto, während er mit einer hand an seiner hose herumfummelt. aber selbst so kann er kaum ruhig bleiben. irgendwann haut der rückstoß ihn nach hinten. der typ schlägt auf den boden, lacht und bepisst sich dabei. sein blasser schlappschwanz hinterläßt sonst keinen bleibenden eindruck.
frühling in berlin, neukölln. (da, wo andere kreuzkölln zu sagen.)

be kahl und kalt, be dunkel und schwer, be leer im winter.
neulich komme ich abends mit einer freundin aus dem kino – wir waren übrigens in kinshasa symphony, ein wahrlich sehenswerter film – da pfeift uns ein frecher, kalter berlinwind entgegen. und ich bringe den blöden reißverschluß meiner schicken neuen jacke nicht schnell genug zu. das sind diese reißverschlüsse, die unten auch aufgehen, sage ich zu meiner freundin. damit hab ich immer kriegsfuß.
damit hab ich kriegsfuß, wiederholt sie irritiert. dann kichert sie los: da hab isch voll kriegsfuß, ey!
recht hat sie. ich bin wohl ein wenig neuköllnintegriert mittlerweile. andere machen das irgendwie besser.