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archiv: fremde federn


lesen und wissen

14. Januar 2012 - 23:55

Als Kind schon war ich schwer auf drauf, dauernd auf  der Suche nach Lesestoff, koste es, was auch immer. Man mag es an  diesem frühen Bild bereits erkennen. Early Adopter, oder wie nennt man das? The Portrait of the Artist as a Young Addict? Wie auch immer, in jungen Jahren trieb mich die Not zu seltsamen Beschaffungsstrategien. Der Zufall hatte mich in einen Haushalt mit nur wenig Büchern gesperrt, mich gleichzeitig aber als eine Art Leseüberflieger gestaltet, sodass ich die zur Verfügung gestellten  Kinderbilderbücher schnell satt hatte. Möglich ist auch, dass die vielen ungelesenen Sternausgaben, die mir zum Zerfetzen in den Laufstall geworfen wurden, ihren Anteil an dieser fatalen Entwicklung hatten.

Immer wieder sehe ich mich in den folgenden Jahren die elterliche Wohnzimmereichenschrankwand nach Stoff durchforsten, noch unentdeckt und ungelesen. Meist mit wenig Erfolg. Eines der Highlights jedoch, das mir bis heute präsent ist, war ein hellblaues Babybuch, das ursprünglich wohl der Planung und Durchführung der korrekten Aufzucht meiner Person gedient haben muss. So las ich über Flaschenfütterung und Windelwäsche, Stubenwagen und Mittelohrentzündung. Lauter Dinge, denen ich erst knapp entkommen war. Sehr interessant und sicher auch hilfreich. Was ich jedoch nicht endgültig zu beurteilen in der Lage bin, da es inzwischen als sicher anzusehen ist, dass ich dieses Wissen in diesem Leben nicht mehr zur Anwendung bringen werde.

weiter im common reader

08. Oktober 2011 - 14:53

immer häufiger habe ich den eindruck, daß im netz recht viele literarische rohentwürfe allzu eilig veröffentlicht werden. wodurch sich sprachliche eleganz oder auch nur präzision mehr und mehr zu verflüchtigen scheint. ob das ahnungslosigkeit ist? oder absicht.

barockes bloggen

31. Mai 2011 - 22:46

wenn madame über ihr optisches übergewicht lamentiert, dann kommen darin solche wunderbaren sätze vor: Ich fühle mich ein Mönch auf dem Heimweg aus dem Bordell. allein dafür lohnt es sich, auch heute noch das immer wieder totgesagte bloggen zu lieben.

mensch und maschine

22. Mai 2011 - 22:35

diese bibel, wie mir mal jemand sehr überzeugend dargelegt hat, liegt schon seit fast einem jahr lesebereit bei mir herum. bislang fehlten mir allerdings zeit und muße, denn eines ist auf den ersten blick klar: das ist keine leicht konsumierbare kost. heute war es dann aber soweit, schließlich weiß ich seit geraumer zeit, daß ich mit der großen maschine häufig mit viel zuviel angst und anspannung unterwegs bin. seit ich mich mit dem ding gleich zweimal innerhalb recht kurzer zeit auf die fresse gelegt habe, nach über zwanzig komplett sturzfreien jahren. da muß eindeutig nachgearbeitet werden.

sofort wartet das buch mit erschreckenden kybernetischen wahrheiten auf, gleich im ersten teil, im dritten kapitel. dort finden sich interessante berechnungen und anschauliche grafiken zum thema aufprallgeschwindigkeit. dasselbe kapitel enthält allerdings auch einen weitaus spannenderen exkurs zu dem begriff Mesokosmos als es die partiell blöde wikipedia in diesem fall hinkriegt. das gefällt mir. sehr.

eines steht also jetzt schon fest, das ding werde ich mit freuden von vorne bis hinten durchlesen. ganz besonders schön wäre es natürlich, wenn in der nächste ausgabe vielleicht noch der untertitel geändert werden könnte. der lautet nämlich: Über die Einheit von Fahrer und Maschine. wo bitte bin da ich?

Bernt Spiegel, Die obere Hälfte des Motorrads

core – das zentrum, der kern, das herz

07. Mai 2011 - 18:07

Was ist das eigentlich für ein Zustand, den du in letzter Zeit an den Tag legst? Gefällt mir gar nicht. Sei endlich ein Mensch!

Ich bin dein Sohn, wider Gott und homosexuell, all das, was für dich die Definition des Schlechten ist. „Vom Teufel besessen…!“, so würde mich der Prediger von heut’ Mittag beschreiben. Aber weißt du, ich BIN ein MENSCH und ich HABE ein HERZ.

by Heartcore in Treppenstufen

[manchmal bleibt es auch kurz stehen, das herz, das eigene zentrum, so beim lesen von anderen blogs.]

über freiheit und liebe

19. April 2011 - 19:20

Allerdings ist es dafür notwendig, dass wir den Liebesbegriff von der Illusion der Einheit und Verschmelzung befreien.

das und noch einiges mehr, eine sammlung von antje schrupp.

nachtrag zu hilde domin

11. April 2011 - 12:42

noch ein anderer aspekt zu der neulich in der buchkönigin besuchten lesung. es ging ja um eine biographie von hilde domin, bei der vieles zur sprache kam. einiges auch, das ich in meinen kurzen überlegungen nicht weiter erwähnt hatte. ihren mann zum beispiel, der seltsamerweise etwa zwei drittel der neuköllner lesung einnahm.

luise l. pusch hat nun das buch gelesen und ist in diesem punkt ähnlich irritiert:

Als Erwin Walter Palm ihre Gedichte erstmals sah, war er klug genug, deren Rang zu erkennen, auch zu erkennen, dass seine Frau ihm überlegen war – und dafür musste sie bestraft werden.

das passende bett

22. März 2011 - 13:21

anouk hat es gut.

das passende buch

07. März 2011 - 19:27

This evening Anouk finally found a book that fitted her size.

weiter im wohnzimmer

ja, ich liebe anouk. sie ist mir sehr nah.

wie das leben weitergeht

27. Februar 2011 - 14:00

Was wissen wir in Deutschland noch von jüdischem Leben, von jüdischer Kultur, die hier vor ein paar Jahrzehnten so gnadenlos, so nachhaltig vernichtet wurde? Was wissen wir von dem Davor? Und vor allem, was wissen wir von dem, was danach kam? Überleben hört nicht auf am Tag der Befreiung. Überleben zieht sich durch die Jahre, durch die Leben, es greift durch die Generationen hindurch.

mehr im common reader

lob der faulheit

27. Januar 2011 - 19:09

Diese elende Welt ist eingeteilt in Leistungsträger und Minderleister, in Sieger und Versager also, in Schwätzer und Schweiger nicht zuletzt.

weiter im common reader

gelesen habe ich dieses buch übrigens vor über einem jahr, also ende 2009. anschließend lag es ein paar monate neben meinem bett und das letzte halbe jahr dann auf meinem schreibtisch, bereit zur rezension. auch eine art von müßiggang. ;)

im leben, im sterben

23. Januar 2011 - 20:03

when there’s nothing more to say:

War is always like that. It kills more than lives. And those that survive eat their children.

by stattkatze

schirrmachers payback

22. August 2010 - 15:04

endlich ausgelesen. das heißt, eigentlich mehr so zum teil, vieles habe ich auch einfach nur überflogen. ein seltsames buch, gar nicht schlecht im grunde. wobei ich gestehen muß, daß mich die heftige diskussion damals, vor drei monaten oder so, kaum am rand ein ganz kleines bißchen interessiert hat. nö.

stellenweise übrigens von einer eigenartigen poetik:

Es gibt Äonen von Gedanken, die wir in dieser Sekunde mit einem einzigen Knopfdruck abrufen können. Aber kein Gedanke ist so wertvoll und so neu und schön, wie der, dessen Flügelschlagen wir gerade jetzt in unserem Bewusstsein hören.

da hab ich doch nichts auszusetzen. obwohl, hören?

Frank Schirrmacher, Payback