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archiv: trübsinn

sprachgeschuster

11. März 2010 - 23:14

da der begriff entscheidungsträger zugunsten des fürcherlichen wortes entscheider im verschwinden begriffen ist, gehe ich davon aus, daß die derzeit gehäufte verwendung von leistungsträger (= besserverdiener) sich alsbald in richtung leister bewegen wird. analog zum bereits existenten minderleister, bzw. überleister.

also. schuster, bleibt bei deinem leister. jawohl!

piratenINNENirrtum

06. März 2010 - 23:49

in einem der vielen artikel, blogbeiträgen oder sonstigen stellungnahmen, die ich dieser tage zum thema piratinnen gelesen oder überflogen habe, war ein kommentar eines aktiven weiblichen piraten - so muß man wohl sagen - der sich sinngemäß so äußerte: sie sei froh gewesen, endlich einmal nicht diese genderdisskussion führen zu müssen, überhaupt sei doch alles gleichberechtigt, besonders in der netzaffinen welt sei das doch längst kein thema mehr.

nun ja, es liegt auf der hand, daß das ein unsinn ist. ich mag ja auch eigentlich gar nichts dazu sagen. das sagte ich schon.

trotzdem, ich denke in dem moment immer an eine bekannte, die in einem mädchentreff arbeitet. dort bringt man den jungen besucherinnen unter anderem das netz bei. oder besser den umgang mit dem netz. oder noch besser, den umgang mit foren und communities, mit sozialen netzwerken. die menschliche seite eben, das verführerische an 2.0.

schlimmstenfalls treffen die sich mit irgendeinem kerl, den sie überhaupt nicht kennen, und das wars dann, sagt die bekannte. wie das wars dann, frage ich. macht doch nichts, wenn man sich nicht wiedersieht, denke ich. na, sie werden einmal gef***t und fertig, sagt die bekannte.

so sieht es eben auch aus in der netzaffinen welt.

über die unmöglichkeit von piratinnen…

05. März 2010 - 20:09

ist ja in letzter zeit mehr als genug diskutiert und reflektiert worden. ich hatte und habe nicht so recht lust, auch nur ein wort darüber zu verlieren. für mich ist das alles jahrzehnte alt. was nicht etwa bedeutet, daß ich mich als de facto postgender definieren würde. schön wärs. vielmehr bin ich, fürchte ich, so etwas wie gendermüde.

deshalb bin ich froh, daß andere im großen und ganze meine stellungnahme veröffentlichen. allen voran antje schrupp: Die Abwesenheit von Zwängen bedeutet nicht automatisch Freiheit… was exakt so zutrifft.

treffliche stichworte in den wochenblättern (80)

27. Februar 2010 - 16:57

zum beispiel: wutpolitik!

wahres in den wochenblättern (79)

26. Februar 2010 - 15:26

… Belohnung, die postmoderne Version von Bestrafung,…

jesper juul im interview über erziehungspornografie, glücksdruck und aufmerksamkeit. stimmt alles, besonders seite drei. und leider nicht nur in bezug auf eltern und kinder.

wahre worte in den wochenblättern (78)

20. Februar 2010 - 15:53

ich mag ja die rossellini, nicht nur wegen ihrer absurden green porno kurzfilme (artebeitrag, ca. 15 minuten), die natürlich total ernst zu nehmen sind. das ist ja gerade das absurde. sondern zum beispiel auch wegen ihrer weitreichenden modeverweigerung. ab einem gewissen alter hat das ehemalige topmodel beschlossen, zu öffentlichen anlässen nur noch im anzug zu erscheinen. auch irgendwie absurd.

im aktuellen zeitinterview ist sie mir noch mit anderem sympathisch. und sehr nah:

Wenn du am Boden zerstört bist und nicht weißt, was du tun sollst – tu gar nichts! … ein oder zwei Jahre später kommt das Leben zu dir zurück.

zum kotzen

14. Februar 2010 - 18:43

ein stuttmann, wie er zu erwarten war. und gleich noch einer hinterher. ;-)

westerwelle, römisch dekadent

13. Februar 2010 - 13:27

auch ich habe die worte vernommen, dieser tage. aber ach, herr außenminister. gegen ein bißchen sozialismus ist doch eigentlich nichts einzuwenden, finde ich. und nicht nur ich, offensichtlich.

hartz iv in den täglichen medien (77)

09. Februar 2010 - 11:54

hartz iv ist ja dieser tage in aller munde, wochenlanges mediales arbeitslosenbashing inklusive. (erwähnte ich ja bereits, mehrfach.) inzwischen hat das verfassungsgericht entschieden, daß… ja, was eigentlich? daß zunächst erstmal alles so bleibt natürlich. und anschließend geht dann das chaos in die nächste runde, könnte ich mir denken.

sicher gibt es auch andere töne, in der taz zum beispiel. da geht es mal nicht um schuld und geld oder dumm- und faulheit. da geht es um angst und scham und die täglich erlebte verachtung:

Zuvor musste ich nämlich noch auf drei Informationsveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, Ausweiskontrolle und Stempel. Dort habe ich übrigens gelernt, was die Sachbearbeiter der Arge offenbar unter rücksichtsvollem Umgang verstehen. Sie reden sehr langsam und übertrieben deutlich. Als seien die Anwesenden debil.

das ist schon besser, irgendwie klarer. aber auch da die erschreckende erkenntnis, daß auch tazpraktikantInnen offensichtlich nicht bezahlt werden.

bezeichnendes in den wochenblättern (76)

08. Februar 2010 - 20:21

die nullerjahre: Totel gedankenlos und egoistisch. (weiterlesen und amüsieren im ideenmagazin für den buchhandel. ;-)

mehr zahlenspiele in den täglichen nachrichten (75)

06. Februar 2010 - 22:02

man kann ja über martenstein so oder so oder auch ganz anders denken. ich selbst stehe da weder hier noch dort, bin eigentlich eher desinteressiert. edelfedern sind nicht wirklich meine sache. deshalb mußte mich wohl arboretum erst in den kommentaren auf eine martensteinmeinung von ende januar hinweisen, wo es heißt:

Es wird zurzeit viel über Hartz-IV-Missbrauch und Faulheit geredet. Nun ist es in Deutschland so, dass man seit vielen Jahren fürs Arbeiten immer weniger Geld bekommt. Laut Statistischem Bundesamt betrug der durchschnittliche monatliche Nettolohn im Jahre 1991, dem ersten Jahr mit gesamtdeutscher Statistik, 1411 Euro (damals waren es natürlich noch D-Mark). 2001 wurden dem Durchschnittsverdiener im Monat nur noch 1368 Euro ausgezahlt. 2006 waren es noch 1320.

wo er einfach recht hat. und dann noch am am ende einen ganz einen deutlichen standpunkt setzt:

Das beste Mittel gegen die Faulheit sind nicht moralische Appelle oder strenge Kontrollen, sondern Gehälter, von denen man gut leben kann, und Mindestlöhne.

vorbildliches in den täglichen nachrichten (74)

06. Februar 2010 - 20:20

vier kleine italiener… ach nein, vier wuppertaler steuerfahnder. (von wegen iTALien, you know.) aber immerhin, wuppertal macht schule.

zahlenspiele in den täglichen nachrichten (73)

02. Februar 2010 - 18:05

hartz iv soll abgeschafft werden, zumindest wenn es nach dem sprachgebrauch unserer arbeitsministerin geht. also das wort, darum geht es, das gehört wirklich ausgemerzt.

weil das allein aber nicht reicht, müssen natürlich noch andere maßnahmen ergiffen werden. der faulste arbeitslose überhaupt wird derzeit wieder einmal durch tv und presse gehetzt. und gibt dabei das gewünscht elende bild ab. die süddeutsche präsentiert eine statistik, die besagt, daß der mißbrauch mit transferleistungen im vergangenen jahr um satte 1,9% gestiegen sei. schlimm!

so etwas nennt man dann wohl richtig „schlechte presse”.

der freitag bemüht sich, das heute geradezurücken und schreibt: … die lächerliche Zahl ist auch noch falsch. doch ob das wiederum so stimmt? wer weiß das schon, bei solchen verzwickten meinungszahlenspielereien.

und überhaupt, was solls. inzwischen sind ja auch bild und konsorten längst durch mit dem thema. macht schließlich was her.

nachtrag: okay, der freitaglink zu dem artikel zum thema hartz iv-mißbrauch führt inzwischen ins leere, keine ahnung wieso. vielleicht hat man sich doch allzusehr verrechnet. ich laß das jetzt so, was soll ich machen? ist außerdem nicht das erste mal, daß mir das dort auffällt. die linkpolitik ist seltsam, das ist ärgerlich. ebenso wie die nach wie vor oberlahme freitagseite.