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archiv: trübsinn


frisches in den gazetten der welt (96)

09. November 2010 - 13:43

ausnahmsweise mal ein bißchen gar nicht so trübes mitten im trübsinn hierzulande. peter glaser, ein kulturatmender mensch, in der berliner gazette:

Inzwischen erwecken die immer vielfältigeren Zugänge zu Wissen und inspirierenden Informationen durch das Internet die Ruinen an humanistischem Bildungsgut, über die ich aus der Schulzeit und aus meiner Biografie als Leser und kulturatmender Mensch verfüge, immer wieder zu neuem Leben.

briefe im netz, veröffentlicht (95)

08. November 2010 - 19:10

wenn alice schwarzer einen offenen brief schreibt, dann hab ich ja immer gleich bauchschmerzen. dabei weiß ich gar nicht so genau, warum. an sich ist frau schwarzer ja eine hervorragende disputantin, besonders bei live-events. die gute alte sollte viel häufiger in talk-shows sitzen, finde ich. aber bei ihren briefen krieg ich, wie gesagt, da weiß ich nie so recht.

diesmal ist das natürlich ganz anders. diesmal liegt alice schwarzer ziemlich richtig, wenn sie sich an frau köhlerschröder wendet. unter anderem mit diesem coolen satz:

Inzwischen schreiben wir nämlich das Jahr 2010.

nachtrag: im mädchenblog wird das allerdings etwas anders gewertet. ich sag ja, bauchschmerzen.

unsinn, gespiegelt (94)

06. November 2010 - 12:27

eine junge frau nimmt stellung zu einem überkommenen feminusmusbegriff, falls es diesen denn jemals gegeben haben sollte. im grunde handelt es sich ja mehr um eine zusammenstellung bestehender vorurteile, seit jeher  vorwiegend von männern vorgetragen. darüber hinaus drängt sich mir unweigerlich so etwas wie homophobie auf, ein hauch von zumindest.

Es sei ein Fehler einer radikalen Strömung der Frauenbewegung gewesen, Beziehungen zwischen Männer und Frauen abzulehnen, sagte Schröder weiter. “Dass Homosexualität die Lösung der Benachteiligung der Frau sein soll, fand ich nicht wirklich überzeugend.”

blöd, daß es sich bei der jungen frau ausgerechnet um die amtierende familienministerin handelt.

[via u. a. @annnalist]

nachtrag: claudia hat dasselbe element in ihrer sammelmappe aufgegriffen. und sie vergißt dabei auch nicht, wie ich, den gendergapaspekt in den ausführungen der jungen frau kurz auf- bzw. niederzuschlüsseln.

nochn nachtrag: diesmal im mädchenblog. (macht ja richtig spaß heute, dieser quatsch!)

vernichtendes in den wochenblättern (93)

16. Oktober 2010 - 12:40

oh, ich bin fehl am platz in deutschland. das erklärt mir jetzt u. a. frau merkel persönlich:

Wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, sagte die Kanzlerin, sei “fehl am Platze” in Deutschland.

gut, ich gehöre hier nicht her. das war mir eh irgendwie schon länger klar, und das macht ja auch überhaupt nix. wo war ich schon jemals erwünscht? kann ich mich gar nicht dran erinnern. aber dann auch noch so etwas:

Gleichzeitig sollten die Deutschen über ihre Werte und die zunehmende Entfremdung von Religion sprechen, um sich über ihr Land und ihre Gesellschaft zu vergewissern.

gibt es da nicht irgendwo den grundgedanken, daß religion etwas privates ist und ich mir, so wie jedeR andere auch, auf diesem gebiet restlos alles selbst zurechtzimmern oder auch komplett niedermachen kann, ganz so wie ich das mag?

extremisten in den wochenblättern (92)

11. Oktober 2010 - 17:08

… angeführt wurde der Mob zum Teil von Geistlichen.

herbstliches in den wochenblättern (91)

09. Oktober 2010 - 20:00

der freitag wieder einmal. den lese ich ja auf papier, in meinem alter braucht man das einfach, dieses haptische. das geht nicht anders. ich schreibe ja auch noch mit mit der hand, sehr gerne sogar. besonders gerne mit weichem bleistift oder feinem schwarzem füller. (lesen kann das aber kaum noch wer.) dieser papierfreitag also, immer diese suche nach der onlineversion, wenn ich mal was verlinken will. und diese grundsätzliche lahmheit des freitagservers. das kann schon ziemlich nerven.

aber gut, für diese treffliche analyse auf papierseite eins lohnt es sich. zum schluß heißt es da:

Auf diese Weise setzt Merkel das ewige Gemäkel an ihrem Stil wie einen Hebel zur Durchsetzung einer Politik ein, die in kürzestmöglicher Zeit den maximalen Schaden am Zusammenhalt der Gesellschaft anrichten könnte. Der Vorgang ist aus dem Kampfsport bekannt: Nutze den Schwung des Gegners, um ihn aufs Kreuz zu legen. Das ist der traurige Kern des so genannten Herbstes der Entscheidungen.

schachern

28. September 2010 - 15:37

ich rieche es förmlich, daß da oben schon wieder die markenkerne geschliffen werden, fein säuberlich und anschließend poliert. ich spüre es genau, wie die vorformulierten alleinstellungsmerkmale durchdekliniert werden, satz für satz. immer und immer wieder. und ich sehe, wie jetzt schon vorsorglich die wählerpfründe erschlossen werden, lange vor der zeit. mensch, da ist doch noch platz, an der stelle, wo sarrazin die beute fett gemacht hat. das kann man doch versuchen, da kann man sich doch mal breit machen.

nur die grünen lassen lässig ihre güldenen überflügel spielen, einstweilen. das alles geht vorbei. nur mein ekel bleibt unverdrossen.

wichtige stellungnahmen in blogs (90)

27. September 2010 - 15:57

Was Nicolas Sarkozy die “Gitans” sind, sind Schwarz-Gelb offenbar die Hartz-IV-Empfänger. Sie werden zwar nicht ausgewiesen, aber abgeschoben – tiefer ins Ghetto der sozial Ausgegrenzten.

das schreibt herr spreng im sprengsatz, ein feines blog, das ich nicht so oft links liegen lassen sollte.

wahre sätze in den täglichen nachrichten (89)

26. September 2010 - 17:04

Habsucht ist der Krebs der Marktwirtschaft. (ein echter, glasklarer küppersbuch eben.)

wendehals

14. September 2010 - 17:56

und zwar ein ganz flotter, bei stuttmann.

freiheit statt angst

10. September 2010 - 22:21

morgen rechtzeitig daran denken, mich zu entwaffnen. das winzige schweizermesser mit der 4cm-klinge zuhause lassen. und den füller vielleicht, die luftpumpe? ich weiß nicht. den fahrradhelm, die kamera, meine finger, meine zunge?

wie auch immer: morgen gegen 13h, am potsdamer platz

individuelles in den wochennachrichten (88)

04. September 2010 - 14:25

eigentlich wollte ich ja nicht mehr. den schnauzer einfach nicht mehr beachten, nicht darüber lesen und schon gar nichts dazu sagen. aus gründen der selbstschonung. natürlich geht das nicht, ich weiß ja, ich weiß. via @HumanVoice kam heute der link zu einem artikel von hilal sezgin in der zeit. der ist lesenswert, wie claudia sagt. besonders, weil mir auf einmal aufging, wie das ganze funktioniert. man nimmt einfach einen groben stempel und drückt ihn einer imaginären gruppe auf. daß dadurch automatisch die vielfalt, das heißt die existenz der vielen einzelnen dieser mehr oder weniger frei gewählten gruppe, quasi ausgelöscht ist, das hat ja schon bei den ernährungstips für arbeitslose damals prima funktioniert.

darüber hinaus steht da ein ganz einfacher satz, der mir das erkaltete herz doch noch einmal ein klein wenig erwärmt:

Multikulturalismus ist das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft unter gleichberechtigten Bedingungen.

das ist multikulti. so und nicht anders werden wir in deutschland leben. müssen und wollen. in einer globalen welt, was immer das sein wird. irgendwann.

[was ich mir dagegen nicht antue, sind die unsäglichen kommentare, die zu diesem meisterlichen artikel verfasst wurden. kurz reingelesen habe ich, aber: nein, danke. da geht dann bei mir gleich wieder alles zu.]

schnauze

02. September 2010 - 22:54

ich stelle hiermit fest, daß ich mich mit dem herrn mit schnauz, der seit heute wohl der verrentung zustreben dürfte, nicht weiter zu beschäftigen gedenke. aus gründen des seelischen wohlbefindens übrigens. danke.